Eine Betrachtung über das “Vater Unser”

Ich weiß, dass man mich für diesen Text vor 300 Jahren verbrannt hätte. Gut, dass unsere Gesellschaft heute liberaler ist, so wage ich es sogar ihn zu veröffentlichen:

Ich mag nicht mehr an den einen Gott, seinen Sohn und den Heiligen Geist glauben. Es widerstrebt mir. Ich will diese drei als Qualitäten erkennen. Die buddhistische Idee, dass in jedem von uns “das Göttliche” wohnt und wir es nur zu pflegen brauchen um uns (spirituell) zu entwickeln, fasziniert mich. Es braucht für dieses Modell keine großartigen Heilsgeschichten, es ist selbstbestimmter und spricht die Eigenverantwortung des Menschen an.

Andererseits widerstrebt mir der Gedanke zu konvertieren. Also was bleibt mir? Ist es vielleicht möglich die christlich-katholische Idee mit der -aus meiner Sicht- erwachseneren buddhistischen Idee zu verheiraten?

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf als ich nach einem langen Arbeitstag nicht einschlafen konnte.

Was, wenn Vater, Sohn und Heiliger Geist nicht überirdische, weit entfernte spirituelle Wesen sind, sondern mein Alter Ego ? Kann es sein, dass das Vater Unser ein Aufruf zu Selbstverantwortung und liebevollem Umgang mit unseren Mitmenschen ist? Das mit dem Vater der/die Weise in uns angesprochen ist. Jenes spirituelle ICH, das in allen von uns wohnt.

Hier ein erster Interpretationsversuch:

 

Vater Unser im Himmel, Ich anerkenne, dass ich ein Alter Ego habe, dass ich neben meiner intellektuellen Persönlichkeit auch aus wesentlichen spirituellen “Teil-Persönlichkeiten” bestehe.
Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme. Ich akzeptiere, dass meine spirituellen Teilkomponenten ein Mitbestimmungsrecht in meinem Alltag haben, dass sie genauso entscheidungsbefugt sind, wie der intellektuelle  Geist….
Dein Wille geschehe,
Wie im Himmel, so auf Erden. …das zu jeder Zeit und nicht nur in bestimmten Situationen. In meiner Freizeit, im Business, um Umgang mit allen Menschen.
Unser tägliches Brot gib uns heute, Ein Aufruf zu vertrauen. JA, ich will essen und keinen Hunger leiden, JA, ich will meinen Teil dazu beitragen –  aber auch darauf vertrauen, dass mir gegeben wird, wenn ich Not leide.
Und vergib uns unsere Schuld, Nimm zur Kenntnis, dass Du nicht perfekt bist und dass Dir Fehler passieren können. Steh dazu und versuche mit jenen, denen Du Unrecht getan hast, wieder in’s Reine zu kommen.

Sei nicht nachtragend! Sei liebevoll und vergib jenen, die Dir Unrecht tun.  

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, Zweierlei Seelen wohnen, ach in meiner Brust. Wie oft wissen wir was richtig wäre, tun aber das andere. Seien wir uns dessen bewusst, dass dies so ist. Akzeptieren wir diese beiden Seelen aber streben wir immer nach der richtigen Entscheidung. Wenn ich diesen Kampf, Gut gegen Böse annehme und mich mehr und mehr für das Gute entscheide, dann wird mein Leben nach und nach gesegneter.
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft Wenn ich so lebe, werde selbstbestimmt. Ich werde unabhängig von anderen und in meiner Mitte ruhen, kraftvoll und verantwortungsvoll.
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Amen. Amen

 

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