Kur – ioses

Karl auf Kur
(eine traurig-heitere Sachverhaltsdarstellung)

Vorwort:
Ich war noch nie auf Kur und war überrascht, wie untypisch unbürokratisch der Antrag und die Genehmigung recht locker über die Bühne gingen. War ich der Meinung, dass es da einer amtsärztlichen Vorladung bedürfe und eine recht genaue Kontrolle stattfindet, so war  ich da der falschen Meinung. Irgendwie wundert es mich nicht, dass unsere Sozialkassen unter chronischem Geldmangel leiden.

Auf jeden Fall war ich heilfroh über das rasche Procedere und freute mich riesig auf Bad Hall im schönen Traunviertel.

Die Kur:
Wer eine Kur tut kann was erleben. Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass bei 100% aller Patienten genau jene 62 Anwendungen verschrieben werden, die von der Krankenkasse auch bezahlt werden. Nie eine weniger, und auch nie eine mehr.

Das ist wohl der Segen von Ausgliederung und Privatisierung. Mit diesen beiden Prozessen ist sichergestellt, dass nicht mehr das Wohl des Patienten, sondern ausschließlich die Einnahmen des privat geführten “Vitana-Hotels” regelmäßig und planbar sprudeln. Rein statistisch sollte es eher so sein, dass der eine Patient mit z.B. 38 Anwendungen und der nächste mit 65 heilsam bedient wäre. Um die Gewinnmaximierung geht es auch beim Essen. Das Essen wird halbwegs frisch gekocht und schmeckt auch gut – die Portionen haben Vorbildcharakter. Geschätzte 98% der Kurgäste leiden an Übergewicht und so ist der tägliche Anblick kleiner Portionen sehr lehrreich und hat hoffentlich eine positive Wirkung.
Leider war´s das auch schon. Dort wo es ums liebe Geld geht ist mit der guten Ernährung schnell wieder Schluss.

Schokoflocken zum Müsli, fette Wurst (Wiener, Salami) zum Frühstück, Fertigkompott aus der Dose als Nachtisch. Spinn ich? Ich lebe wohl in einer Scheinwelt. War ich der Meinung, dass eine Kur rundherum wirken soll – heilend, vorbeugend, lehrreich – wurde ich in meinem Glauben erschüttert. Der Bäck mit dem selbstgemachten Bio-Gebäck ist zwar um´s Eck, auf den Tisch kommt aber das Fertigteig-Backmischungszeug, das eh an jeder Ecke zu kaufen ist.

Weißmehl und Zucker, die großen Freunde von Bluthochdruck und Diabetes dürfen bei keinem Frühstück fehlen. Heissa! Dafür gibt es aber, und da fließt wieder der Euro, sowohl eine Gruppen- als auch eine Einzelernährungsberatung.

Grandios: Raucher werden ausnahmslos ins Freie bugsiert. “Wir sind ja eine Kuranstalt” – was für eine Heuchelei. Gleichzeitig fließt der Alkohol an der Bar ungehindert. Wird wohl daran liegen, dass damit gute Umsätze zu erzielen sind. Zitat: “Wissen Sie, der Hotelcharakter ist uns sehr wichtig. Die Gesundenvorsorge ist heutzutage nicht mehr so in.”

Die Therapeut-Inn-en:
…sind ausnahmslos alle super. Mir fehlt zwar der direkte Vergleich, aber ich bin in der Lage, zwischen gutem und schlechtem Handwerk zu unterscheiden – und das was an und in mir vollbracht wurde, war sehr zu meinem Wohl. Vielen Dank!

Resumee:
Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist derartige Leistungen in private Hände auszugliedern. Das mag zwar den einen oder anderen Investor freuen (sonst täte er es nicht), im Sinne eines ökonomischen Umgangs mit unseren Beitragszahlungen ist das aber nicht. Dem Argument der Kuräztin, wonach das Hotel bald zusperren könnte, wenn die “Qualität des Essens (sie meinte aber die Menge) nicht ausreichend wäre” kann ich nicht folgen.
Ich war immer der Meinung, dass die Sozialversicherungsträger die Patienten zuweisen.

Zögen hier alle am selben Strang, kann es gar nicht sein, dass eine Kuranstalt, in der medizinisch korrekt gehandelt wird um sein Überleben zittern muss.

HOW!

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Eine Antwort auf Kur – ioses

  1. Tamara sagt:

    Hallo,
    ich habe den Beitrag gerade zufällig gelesen, da ich überlege nach Bad Hall auf Kur zu fahren. Ich war schon mal auf Alland auf Reha wegen Diabetes. Die Einrichtung gehört der PVA und man sollte glauben, dass dort das perfekte Essen serviert wird. Beim Frühstück und bei der Jause staunte ich auch, wieso es nicht nur mageren Schinken und frisches Obst und Gemüse gibt. Aber ich denke, dass es auch seinen Sinn hat. Es bringt nichts, wenn man 3 Wochen in einer heilen Ernährungswelt lebt. Man soll ja lernen mit der normalen Welt zu leben und dort sehe ich bei der nächsten Blutabnahme bzw Zuckermessung, dass dies oder jenes in diesen Megen vielleicht nicht so gscheit ist. Und wenn ichs selbst nicht bereit bin, daraus zu lernen, dann bin ich es nach den 3 Wochen gesunde Zwangsernährung auch nicht. Ich versuche ja auch zuhause mehr Vollkorngebäck und magere Sachen zu essen, usw
    Aber alleine die Ernährung bringt ja nur 1/3, der Rest ist nur mit Bewegung steuerbar und es freut mich zu lesen, dass die Physikalischen Therapien gut sind.
    Als Raucher wirst in jeder Kur- und Rehaeinrichtung wie eine ALF behandelt 😉
    Es würde mich freuen, wenn ich noch ein wenig mehr erfahren könnte zu Bad Hall…
    Das wäre sehr nett. Liebe Grüße Tamara

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